Die Pflicht läuft aus: Viele Firmen wollen nun weiter Homeoffice ermöglichen

Seit März vergangenen Jahres herrscht Ausnahmezustand. Der Bundestag hatte im April 2021 zur Reform des Infektionsschutzgesetzes sogar eine Pflicht zum Homeoffice eingeführt. Arbeitgeber mussten seitdem Heimarbeit ermöglichen und Arbeitnehmer wiederum annehmen, wenn nicht ein gravierender Grund dagegensprach.

Nun scheint seit wenigen Wochen die Massenimpfungen zu wirken und die Inzidenzen sinken rasant. Wie viel Homeoffice bleibt nun übrig? Fakt ist: Die Pflicht zum Homeoffice wird nicht über den 30. Juni hinaus verlängert.


Einige Beispiele: - Der Autohersteller Porsche legte öffentlich fest: Zwölf Tage Homeoffice im Monat sollen ab Juni für alle Büroangestellten erlaubt sein.

- Bei der DZ Bank rechnet man damit, dass die Quote der von zu Hause aus arbeitenden Mitarbeiter (zehn Prozent vor der Krise) auf 20 bis 30 Prozent steigen werde.

- Und auch bei Siemens soll das mobile Arbeiten „dauerhaft als Standard“ etabliert werden.


Umfrageergebnisse zeigen, hat sich das Homeoffice in der Pandemie tatsächlich zur Normalität entwickelt, da in fast 70 Prozent der Unternehmen die Angestellten zum Zeitpunkt der Befragung komplett oder größtenteils von zuhause aus arbeiteten.

Das war vor Corona lediglich bei 17 Prozent der befragten Betriebe die Regel.


Auf die Frage, ob die Homeoffice-Regelungen dauerhaft Bestand haben werden, antworteten 42 Prozent der Entscheider, dass sie überzeugt sind, dass virtuelles Arbeiten im Homeoffice gut sei und vorangetrieben werden sollte. Das Büro werde zwar der Hauptarbeitsort bleiben, es werde jedoch vermehrt durch das Homeoffice ergänzt.


Soweit … so gut.


Was aber bei all dem nicht betrachtet wird – zumindest wird es verschwiegen:

In den letzten Jahren wurden in unseren Unternehmen QM-Systeme (ISO 9001, IATF 16949, ISO 13485), Informationssicherheits-​Managementsystem (ISO 27001), Umweltmanagementsysteme (ISO 14001) und Energiemanagementsysteme (ISO 50001) eingeführt in den Unternehmen gelten Arbeitsschutzverordnung, welche die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter gewährleisten sollen.


Ein doppelter Espresso im Wohnzimmer auf dem Sofa, ein Laptop und los geht's. Es ist 9 Uhr morgens, und der Mitarbeiter loggt sich in die erste Videokonferenz des Tages ein. Team-Check-in heißt das im Branchenjargon.


Während am Firmenarbeitsplatz ergonomische höhenverstellbare Tische und Stühle stehen, Kabel ordentlich verlegt sind, Wege frei geräumt sind, Bildschirmarbeitsplätze bewertet werden und Rauchmelder und Feuerlöscher ordentlich installiert und getestet sind, Notausgänge gekennzeichnet sind und Notrufnummern und Verbandskästen an den Wänden hängen – sieht es im Homeoffice anders aus:


Ehepaare haben keine 2 Büros, manchmal sogar gar keins. Das Schlafzimmer, der Esstisch, der Wohnzimmertisch oder sogar die Couch müssen herhalten. Hier stimmt die Sitzposition nicht, die Lichtverhältnisse sind bei weitem nicht optimal, Verlängerungskabel für den Laptop und das Handy verlaufen lose über den Boden und die Unterlagen liegen lose auf dem Tisch und werden zur Seite geschoben, wenn unangekündigter Besuch kommt – man ist ja zu Hause und die Kinder sind nach der Schule auch in der Wohnung.


Akten werden nicht verschlossen und Freunde übernachten gelegentlich im Büro. Daten werden zum Teil unverschlüsselt versendet und die Netzwerke funktionieren nicht sicher.

Die offenen Arbeiten werden am Abend erledigt, da man am Nachmittag einkaufen war, die Hausaufgaben der Kinder betreut hat oder Besuch empfangen hat.


Wohin kommt eigentlich der Kunde? Wenn er im Unternehmen nicht mehr empfangen wird und so manch ein Dienstleister, der mal eben für einen Kaffee vorbeikommen wollte, wird nicht ernsthaft in der privaten Wohnung empfangen. Redet er selbstverständlich auf den Anrufbeantworter, während ich einkaufen gehe?


Das Thema Worklife-Balance gerät leicht aus den Fugen, da um 19:00 und später noch nicht Schluss ist, weil der Tag häufiger unterbrochen wurde. So sitzt manch ein Mitarbeiter noch 30 Minuten vor dem Schlafengehen an seiner PowerPoint-Präsentation. Und samstags wird dann ebenfalls noch fleißig nachgearbeitet.


Kommunikationstrainer haben uns gelehrt, dass die wesentliche Kommunikation der Menschen nonverbal läuft, und wir reduzieren sie gerade mal im Webmeeting auf einen Bildausschnitt. Neue Mitarbeiter kommen in das Team und lernen die Kollegen online kennen und die neuen Abteilungsleiter treffen die zu führenden Mitarbeiter in einem Webmeeting.


Nicht jeder Mitarbeiter kann entsprechend selbstdiszipliniert arbeiten und Vorgesetzte können die Stimmung im Büro – was jetzt zahlreiche Homeoffice-Plätze sind, nur noch schwer erfassen. Zeitnahe Kritik bei Fehlverhalten und der Blick über die Schulter sind jetzt schwierig geworden.


Der informelle Austausch in der Kaffeeküche, im Flur beim Kopierer und das Gespräch in der Kantine beim gemeinsamen Mittagessen finden in dieser Form nicht mehr statt.

Aus meiner Sicht ist das Thema weitaus komplexer, als es gerade vielerorts verkündigt wird und Ausnahmeregelungen können nicht dauerhaft gelten.


Und die eingangs erwähnten Normen, die Prozesse, Strukturen und Arbeitsumgebungen zu recht einfordern, können im Homeroffice nur teilweise umgesetzt werden. Sie sind aber erforderlich und wurden nicht zum Selbstzweck installiert.


Was also bleibt?


Aus meiner Sicht haben weder Telefon, Fax, E-Mail, Internet und das Auto unsere Arbeitswelt vollständig verändert, sondern nur in Teilen. Gleiches wird nun durch das mobile Arbeiten geschehen. Und mobiles Arbeiten beschreibt auch nur zum Teil das Homeoffice. Denn es geht um viel mehr.


Daher bleiben aus meiner Sicht die Führungsgrundsätze und die Aufgabe einer Führungskraft gleich. Jedoch kommt bei den Tools das ein oder andere Werkzeug hinzu, das wir als Manager sicherlich beherrschen müssen. Aber Vieles bleibt gleich – auch wenn es oberflächlich erst einmal ganz anders aussieht.


Und damit dauerhaftes gesundes und sicheres Arbeiten im Homeoffice möglich wird, muss in vielen Bereichen noch kräftig nachgearbeitet werden.


Wie denkst Du darüber? Ich freue mich über Kommentare und private Nachrichten!


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